Fischen in der Laguna Jupa in Buena Vista

Reisebericht Bolivien 2008

Jeder Aquarianer möchte einmal die Heimatbiotope seiner Pfleglinge kennenlernen. Bei mir war es seit etwa 10 Jahren der Fall, leider ergab sich bisher nicht die passende Gelegenheit, weil immer etwas anderes wichtiger war oder das Timing nicht passte.

anflug auf sa cruz
Anflug auf Sa Cruz

2005 lernte ich beim AKZ- Jahrestreffen in Markersbach Robert Guggenbühl aus der Schweiz kennen. Als pensionierter Biologiedozent, AKZ-Mitglied und Schweizer DCG – ler fährt er seit circa 8 Jahren nach Bolivien, um in Zusammenarbeit mit der UNI Zürich und der Zoologischen Gesellschaft München Felduntersuchungen vorzunehmen.

Nach langwierigen Vorbereitungen (Impfungen, welche Utensilien müssen mitgenommen werden) war es im Januar 2008 endlich soweit. Es ging los- vier Wochen zum Fischen nach Bolivien.

Nach 26 stündigem Flug (Bremen – Frankfurt – Miami – La Paz – Sa Cruz) ) war das Hallo im Hotel International groß. Die Reisegruppe von 11 mehr oder weniger an der Aquaristik interessierter war bereit, Bolivien unsicher zu machen.

Nach zwei Tagen in der Provinzhauptstadt Sa Cruz mit einem Besuch beim einzigen Zierfischexporteur (Fa. Jupa) in Buena Vista ging es mit der Bahn ins 600 km entfernte Roboree, um die dortige Fischpopolation (dort entwässern alle Flüsse ins Pantanal) zu untersuchen. Die Zugfahrt mit 40 mehr oder weniger großen Gepäckstücken im Pullmannwagen war ein Erlebnis.

Fischen in der Laguna Jupa in Buena Vista
Fischen in der Laguna Jupa
in Buena Vista

Für die Strecke benötigten wir wegen der eingleisigen Streckenführung und der Stopps an den von allen genutzten Brücken 12 Stunden.

Landschaft um Roboree
Landschaft um Roboree

In Roboree angekommen, wurde in 3 Tagen die Umgebung ca. 120 km entlang der Hauptverbindungsstraße nach Brasilien fischtechnisch untersucht. Die Ergebnisse wurden in Fundortberichten festgehalten.

Danach ging es mit Kleinflugzeugen über Trinidad ins 1000 km entfernte Magdalena, unserem Hauptquartier. In der dortigen Hotelanlage, die von einer Schweizerin geführt wird, wurden die erbeuteten Fische in großen Kinderplanschbecken gehältert und versorgt.

Blick auf Bella Vista
Blick auf Bella Vista

Nach 3 Tagen Fischfang im Rio Itonamas und den angrenzenden Lagunen, mit den unterschiedlichsten Fangmethoden und zu unterschiedlichen Tages und Nachtzeiten, ging es mit dem Flugzeug weiter nach Bella Vista, um im Rio Martin zu fischen.

In der dortigen Unterkunft, die von einem Franzosen (ehemaliger Fremdenlegionär)geführt wird, ist es komfortabel und das Essen ist ausgezeichnet.

Rio Martin: Blick auf den Felse
Rio Martin: Blick auf den Felse

Mit Claude und seinem Boot geht es flussaufwärts zum einzigen Granitfelsen im Umkreis von 200 km, um einen Blick über die überflutete Ebene zu erhalten. Um dorthin zu gelangen, geht es eine Stunde durch den Urwald, was eine schweißtreibende Arbeit war. Der einmalige Rundblick entschädigte für alles.

Blick vom Felsen in die Ebene
Blick vom Felsen in die Ebene

Der Lebensraum der Apistogramas, weshalb ich hauptsächlich nach Bolivien gereist bin, erstreckt sich hauptsächlich auf die bewachsenen Uferregionen der Flüsse und Seen mit einer Wassertiefe bis 40 cm. Dieser Lebensraum weist eine Wassertemperatur um die 28°, eine hohe Sauerstoffsättigung und einen geringen Leitwert bei einem ph -Wert um 7 auf. Mir ist aufgefallen, dass der Fressdruck im freien Wasser enorm ist. Bei zehn Kescherzügen gingen zwei Apistogramas aber 20 Raubsalmler (Hoplias) ins Netz.

Bewuchs im Überschwemmungsbereich
Bewuchs im
Überschwemmungsbereich

Die Vegetation, emerse kurzwüchsige Pflanzen säumen die Uferzonen und gehen in riesige Rotalla- und Lotuswiesen über.

Neben Apistogramas gibt es jede Menge der unterschiedlichsten Salmler, Panzerwelse, Messerfische, Lebendgebärende, Piranjas, Harnischwelse und vieles mehr. Die Wasserstände

Raubsalmler: Hoplia
Raubsalmler: Hoplia

während der Regenzeit ändern sich täglich. Der neue Lebensraum wird als erstes von Salmelern erobert, danach folgen alle anderen.

Ap. Linkei
Ap. Linkei
 Microgeophagus altispinosa
Microgeophagus altispinosa

Nach vier Tagen Fischfang in Bella Vista ging es zurück nach Magdalena. Dort wurden die gefangenen Fische gesammelt, gehältert und versorgt (Fundortbericht am Ende der Seite).

Nach 2 Tagen in Magdalena ging es per Kleinflugzeug weiter nach Trinidad. Dort wurde die Uni mit ichtiologischem Zweig des Professors Dr. Luis Torres Velasco besucht. Dort befindet sich eine umfangreiche Sammlung von Fischpräparaten, die von uns gesichtet, sortiert und auf den aktuellen Stand der

Hälterung
Hälterung

Fischbestimmung gebracht wurde.

In der Regenzeit muss ein gewisser Sicherheitszuschlag bezüglich der Reisezeiten eingeplant werden, um pünktlich am Ablugort in Sa Cruz zu sein. Landverbindungen sind durch Überflutung oder Zerstörung von Brücken nicht mehr nutzbar, und jeder der es sich leisten kann, steigt auf das Flugzeug um. So kann es zu Engpässen kommen.

Flussdelfin als Präparat in der UNI Trinidad
Flussdelfin als Präparat in der UNI Trinidad

Von Trinidad ging es per Linienflug nach Sa Cruz. Dort sind wir in ein nobles Restaurant zum Abschlussdinner gegangen. Am nächsten Morgen wurden die gefangenen Fische für die lange Heimreise verpackt.

Verteilung der Fische
Verteilung der Fische

Da mein Flugzeug als letztes ging, konnte ich die Teilnehmer aus den USA, Österreich und der Schweiz gebührend vom internationalen Flughafen Viro – Viro verabschieden.

Als letztes noch die Aufregung meines Fischtransports in die USA. In der Annahme, dass das Gepäck wie bei der Hinreise im Transit befördert wird, wurde die Rückreise über die USA risikoreich, denn von Bolivien und generell Südamerika gibt es nur die Möglichkeit einer Einreise mit Zollformalitäten. Ich habe mich entschlossen die Fische nicht zu deklarieren. Diesmal ging alles gut, aber diese Aufregung brauche ich nicht noch einmal.

Mit Ausbeite im eigenen Keller
Mit Ausbeite im eigenen Keller

Als Fazit stelle ich fest: Jeder der einmal eine solche Reise gemacht hat, wird von der Schönheit der Landschaft und der Freundlichkeit der Menschen gepackt und ist sicherlich nicht das letzte Mal dort hingeflogen. Es gibt einfach noch zu viele Orte, an denen man noch nicht gefischt hat!

Claus – Albert Gumz

 

Fundortbericht

Fundort 12: Magdalena

Datum: Dienstag 15. – Freitag 18. und Mittwoch 23. – Samstag 26. Januar 2008
Position:
Ortsbeschreibung: Rio Itonamas in Magdalena
Gewässertyp: Fluss
Belichtung: teilweise bewölkt, bewölkt, volle Sonne, Nacht
Wasser: Weißwasser, Schwarzwasser
Wassertiefe: im befischten Bereich weniger als 150 cm
Fliessgeschwindigkeit: langsam bis keine
Boden: Lehm, Schlamm
Bewuchs: mäßig, Ufervegetation, überflutete Landvegetation
Ufervegetation: Gras bzw. keine
Fangmethode: Zugnetz, Rahmenkescher, Wurfnetz

Fischarten:
Mikrogeophagus altispinosus
Bujurquina sp.
“Bolivien”
Apistogramma linkei
Crenicichla sp.
Laetacara cf. dorsigera
Cichlasoma boliviense
Hoplias sp.
Charax sp.
Prochilodus sp.
(2 Arten)
Leporinus sp.
Prionobrama cf. filigera
Triportheus sp.
Serrasalmus sp. oder Pygocentrus sp.
Aphyocharax cf. alburnus
Aphyocharax cf. anisitsi
Stethaprion sp.
Pyrrhulina sp.
Roeboides sp.
Markiana nigripinnis
3 weitere Salmlerarten
Corydoras negro
Rineloricaria beni
Pimelodidae
(3 Arten)
Auchenipteridae
Bunocephalus sp.
Loricariidae
Agamyxis cf. pectinifrons
Agamyxis sp.
Synbranchus sp.

andere Tiere:
Wasserkäfer (Massenvorkommen)
Wasserwanzen
Macrobrachium sp.
Krabben
Kaimane
Frösche, Kaulquappen
Apfelschnecken

Pflanzenarten:
verschiedene Schwimmfarnarten
Utricularia sp.

Wasserwerte:
Datum: 25. Januar 2008
Zeit: 11:30 Uhr
Wassertemperatur: 28.1 °C*
Leitwert: 60 µS/cm
pH-Wert: 6.72
Sauerstoffgehalt: 2.9 mg/L*
Sauerstoffsättigung: 37 %*
Luftdruck: 1019 hPa
KH: 1.4 °dH
GH: < 1 °dH
NO3: n.n.
NO4: n.n.
* ca. 10 cm Wassertiefe